Epilog

Nun ist mein Abenteuer Appalachian Trail fast zu Ende. Morgen geht es zuerst mit dem Bus nach Bangor und von dort mit dem Mietwagen nach Boston. Von dort fliege ich dann nach Deutschland und werde dann hoffentlich am Freitagmittag zu Hause sein.

Rückblickend sind die fast 6 Monate auf dem Appalachian Trail fast wie im Flug vergangen. Es ist sogar so, dass die Erinnerung an die erste Zeit in den Südstaaten schon langsam verblasst und ich meiner Erinnerung schon mit Fotos und meinen Aufzeichnungen auf die Sprünge helfen muss.

Während meiner Zeit auf dem Appalachian Trail habe ich viel gelernt – über Trekking, über die Natur, über die dörfliche USA und sehr viel über mich selbst. Ich bin nun um einiges reicher an Erfahrung und an neuen Freunden. Das Abenteuer war auch deutlich größer, als ich es mir zu Anfang vorgestellt habe.

Die Wanderung auf dem AT war technisch und konditionell um einiges schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte. Der Weg selbst hat größtenteils nichts mit dem gemein, was Wanderwege bei uns so ausmacht und ist größtenteils sehr unwegsam und führt in ständigem auf und ab über den Grat der Appalachen. Die Wanderung bringt die meisten Wanderer an die Grenzen ihrer körperlichen und vor allem mentalen Belastbarkeit. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Über die letzten 10 Jahre betrachtet, kommt nur jeder vierte Wanderer, der auf dem Springer Mountain startet auf dem Mount Kathadin an. Anders als man denken würde, stellt eine Langstreckenwanderung auf dem Appalachian Trail für die meisten Wanderer hauptsächlich eine mentale Herausforderung dar. Es scheint, dass sich körperliche Fitness während der Wanderung leichter trainieren lässt als mentale Stärke.

Werde ich mich noch einmal auf das Abenteuer einer Langstreckenwanderung einlassen? Momentan kann ich mir das nicht vorstellen. Ich bin einerseits froh und dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte. Auf der anderen Seite erfordert so eine Langstreckenwanderung eine enorme Disziplin und Zielorientierung. Um am Ziel anzukommen, müssen in der Regel jede Woche eine beachtliche Anzahl von Meilen abgewandert werden und oftmals bleibt die Muße und der Genuss der Natur auf der Strecke. Ich habe auch mehr schöne Natur erlebt, als ich bewusst genießen konnte. Manchmal war das ähnlich wie zuviel Schokolade oder zu viel Bier.

Wie weit ist es bis zur nächsten Shelter? Wie weit ist sie vom Trail weg? Wieviel Wasser muss ich tragen? Für wie viele Tage brauche ich Lebensmittel? Wird es regnen? Das waren die wichtigsten Fragen, um die sich mein Leben in den letzten Monaten gedreht hat. Nun wird meine nächste Herausforderung erst eimal das Zurückfinden in mein „normales“ Leben sein.

Bedanken möchte ich mich bei den vielen Personen, die mich ermutigt, unterstützt oder mir geholfen haben. Ohne sie wäre dieses Abenteuer nicht möglich gewesen.

Mit diesem Beitrag schließe ich diesen Reisenbericht – zumindest vorerst – ab. Ich habe mich sehr über die vielen Leser gefreut, die diese Wanderung über dieses Blog mitverfolgt haben. Ich hätte nie geglaubt, dass sich so viele Leute dafür interessieren würden.

Falls sich jemand für eine Wanderung auf dem AT interessiert, stehe ich gerne zur Verfügung.

Start: Amicalola State Park, Georgia am 5. April

Ziel: Mount Kathadin, Maine am 17. September

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23 Antworten zu Epilog

  1. Christian schreibt:

    Hi Steph,

    toller Blog, aber ich kann hier nirgend deine Emailadresse finden. Schreib mir mal, du wolltest noch ein Foto haben 🙂

  2. Jim Audibert schreibt:

    Stephan – thank you for allowing us to share the hike with you. Not only did I learn a lot about my own country, but your stories made us appreciate what it is like to sleep in a cozy bed and have three nice meals a day. Not many of us are willing to take on such an adventure, let alone succeed, and we lift our glasses to you. Safe travels home and best wishes for continued success in the future, Jim

  3. enja schreibt:

    Glückwunsch. Von Herzen. Ich kann deine Freude gut nachvollziehen. Ich habe dir immer wieder geraten, dich nicht zu überlasten. Aber das gilt natürlich nicht kurz vor dem Ziel. Mit Erholung in Aussicht – darf man das mal.

    Das Wiedereinleben ist auch so eine Sache. Du schaffst das. Ich glaube, du hast feste Wurzeln zu Hause.

    Grüße Enja

  4. Andrea Petersen schreibt:

    Herzliche Glückwünsche! Ich habe Deine Abenteuer regelmäßig und mit Spannung verfolgt und freue mich auf Deine Rückkehr – und hoffentlich einen Reisebericht für die neugierigen Nachbarn in Schriesheim.
    Bis bald
    Andrea

  5. bulwinklangel schreibt:

    Hallo stephan…
    es war nett dich oben auf katahdin kennenzulernen….dein herz hat dich hoch gebracht….und oben, ich koennte mir nicht vorstellen dich nicht unter deiner „trail“ familie zu sehen….es war so toll dich, socken, und pain zu treffen…..obwohl ich trail angel/day hiker war, ich fand mich unter meiner deutschen familie, obwohl ich euch nicht vorher kannte….
    ich bin, am ende…so „verda./..//t“ stolz auf euch ……
    suuuuuuper….!!!!!!
    trail angel susan

    • kazibo schreibt:

      Hallo Susan,

      Vielen Dank für Deine Unterstützung! Es hat mich gefreut, Dich auf dem Gipfel des Mount Katahadin dann auch persönlich kennen zu lernen!

  6. Daniel Marthaler schreibt:

    herzliche gratulation !

  7. Christian schreibt:

    Top Leistung, Glückwünsch 🙂

    Hab deinen Blog in den letzten Monaten immer mal wieder verfolgt. Und siehe da, da schaut man mal nen paar Wochen nicht rein und die Reise ist zu ende. Hat Spaß gemacht deine Einträge zu lesen. Ich hoffe ich hab nach meinem Bachelor den gleichen Mut den Trail anzugehen.
    Gruss

  8. René schreibt:

    Hallo Stephan,

    herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss deiner langen Reise. Ich danke dir, das du uns mit deinem Blog mit auf die Reise zum Mt. Katahdin genommen hast. So konnte ich Dich immer auf deinem Abenteuer begleiten. Ich wünsche Dir eine angenehme Heimreise.
    LG René

  9. Cornelius schreibt:

    Hey Stephan,
    das kannst Du nicht machen, einfach nichts mehr zu schreiben! Im letzten halben Jahr ist es eine liebgewonnene Gewohnheit geworden beim Frühstück Deinen Blog zu lesen.
    Na ja, aber vielleicht bist Du uns in echt dann doch lieber :-):-):-)
    Liebe Grüße, bis zum nächsten Wochenende.

    Cornelius

  10. Daniela, Austria schreibt:

    Wenn du deinen Blog schließt, dann auch noch ein abschließender Kommentar von mir. Da ich dich auf deiner ganze Reise begleitet habe, ist es mir fast so, als ob wir uns schon seit Ewigkeiten kenne. Ich frage mich, was ich jetzt mache, wenn ich abends von der Arbeit heimkomme und deine News des Tages nicht mehr lesen kann. Unglaublich, wie sehr man sich daran über ein halbes Jahr lang gewöhnt, dein Blog war ja ganz oben bei meinen Favoriten. Ich habe mit der gelitten, gelacht und bin virtuell jeden Schritt mitgegangen – tatsächlich könnte ich das derzeit wohl nicht – und möchte dir noch einmal herzlich gratulieren, dass du trotz der anfänglichen Schwierigkeiten dein Ziel nicht aus den Augen gelassen hast und glücklich am Mount Kathadin angekommen bist! Meine allergrößte Hochachtung! Daniela

  11. Kris NM schreibt:

    congrats…..

  12. Therese Czechowski schreibt:

    Wow Stephan, was für ein Bild hast Du da reingesetzt…
    Und natürlich herzlichen Glückwunsch zum AT und zu den spannenden Berichten, die Du uns geliefert hast.

    Viele Grüße

    Teresa

  13. Carsten schreibt:

    Hey 🙂
    Alles Gute 🙂

    Carsten

  14. Michael Weiler schreibt:

    Das war wirklich ein toller Bericht, Glückwunsch, dass du es geschafft hast! Ich plane den Trail 2015 anzugehen und bin schon kräftig am Planen. Würdest du das SMD Lunar Solo im Nachhinein empfehlen? Wie sieht es damit bezüglich Kondenswasser und Windstabilität aus?
    Lg, Micha

    • kazibo schreibt:

      Hallo Micha,

      der AT war für mich ein tolles und einzigartiges Erlebnis. Ich drücke Dir die Daumen, dass das übernächstes Jahr für Dich klappt.

      Das Lunar Solo ist ein tolles Zelt. Wider erwarten hat es auch meine Tour auf dem AT nahezu unbeschädigt überstanden. Für ein leichtgewichtiges Zelt das gerade mal 180 Euro gekostet hat, finde ich das beachtlich. Gekauft hatte ich es mir damals, weil ich ein windstabiles und gleichzeitig leichtes Zelt für eine Tour in Schweden suchte. Inzwischen kann ich bestätigen, dass das Lunar solo wahrscheinlich eines der windstabilsten Leichtgewichtszelte auf dem Markt ist. Wie alle Einwandzelte hat man bei bestimmten Wetterlagen mit etwas Kondensation im inneren zu kämpfen.

      Ich habe das Zelt auf den AT mitgenommen, weil ich es schon hatte. Aber man sieht es auch oft auf dem Trail. Wenn ich allerdings ein neues Zelt für den AT kaufen müsste, würde ich mich wahrscheinlich für ein anderes Zelt entscheiden. Ich würde versuchen, ein möglichst leichtes, freistehendes Zelt mit separatem Innen- und Aussenzelt zu bekommen. Windstabilität ist auf dem AT nicht wirklich wichtig, da er grösstenteils durch Wald verläuft und die meisten Zeltplätze geschützt sind. Ein separat aufbaubares Innenzelt ist geschickt in trockenen Sommernächten, da es zeitweise viel blutsaugendes Ungeziefer auf dem AT gibt. Ein freistehendes Zelt lässt sich dazu auf nahezu jedem Untergrund aufstellen, auch auf hölzernen Zeltplattformen oder sogar im inneren einer Shelter.
      Bei den leichtgewichtigen Zelten hat sich in den letzten beiden Jahren viel getan und wahrscheinlich wird es bis übernächstes Jahr noch einige weitere Entwicklungen geben. Daher würde ich an Deiner Stelle den Zeltkauf nicht überstürzen (evtl. wäre das Zelt in den USA sowieso billiger)

  15. MaGru schreibt:

    Ich vermisse den Blog! Wie lebt man sich nach so einer langen Auszeit wieder ein? Kann man sich nach 6 Monaten überhaupt wieder im normalen Leben zurecht finden?
    Schön war es Dich unbekannter Weise zu begleiten!

    • kazibo schreibt:

      Hallo Markus,

      Ich freue mich, dass Dir mein Blog gefallen hat! Leider kann man mit solchen Abenteuern in der Regel nicht seinen Lebensunterhalt verdienen, daher musste das irgendwann ein Ende haben.
      Die Umstellung zurück auf mein altes „normales“ Leben ging ziemlich schnell. Der Appalachian Trail, seine Kultur und die Leute, die dort wandern sind irgendwie eine separate und etwas isolierte Welt. Schon auf dem Flughafen in Boston fühlte ich mich zurück in der „normalen“ Welt. Bis jetzt klappte die Umstellung von einem Tag auf den anderen. Ich bin gespannt, ob mich die „Post Trail Depression“ irgendwann noch mal erwischt.

  16. tommy schreibt:

    wirklich tolle bilder! sehr beeindruckend ist auch dein blogtitelbild. da wird eine m richtig schwindelig vom bloßen hinschauen! ;9

  17. Fritz schreibt:

    Super! Gratulation!

  18. Matthias Heeschen schreibt:

    Hallo Slowfoot,

    durch Zufall bin ich auf diese Website gestoßen. Das Buch von Bill Bryson erweckte Hunger auf mehr. Offensichtlich war das eine sehr schöne und beeindruckende Zeit, zu der ich nur gratulieren kann. Es hat mich sehr gefreut, dass ich rückwirkend über den Blog hieran ein wenig teilhaben durfte.

    Beste Grüße

    Matthias

  19. blindfisch schreibt:

    hallo stephan,
    zuerst einmal noch glückwunsch zu dieser leistung! für meine eigene planung mich würde interessieren wieviel du finanziell in dieses abenteuer investiert hast?!

    vielen dank und viele grüße

    • kazibo schreibt:

      Hallo Blindfisch!

      Das Budget für so einen „Thru-Hike“ hängt im Wesentlichen davon ab, wieviel Geld Du abseits des Trails für Hotelübernachtungen, Restaurants, Bier etc. ausgibst. Früher gab es mal eine Faustregel, die sagte, dass man grob einen Dollar pro Meile (also ca. 2.200) als Minimum einplanen sollte. Heute dürfte das eher bei 2-3 Dollar pro Meile liegen. Das haben viele meiner Mitwanderer auch so geschätzt.

      Dazu kommen noch die Kosten für Deine Flüge und die Reisekrankenversicherung. Letztere ist unbedingt zu empfehlen, da Du irgendwann im Laufe Deiner Wanderung sehr wahrscheinlich mal medizinische Hilfe brauchen wirst.

      Falls Deine Ausrüstung noch nicht komplett ist, kommen da noch Kosten auf Dich zu. Nicht sparen würde ich an qualitativ hochwertigem (und vor allem leichten!) Schlafsack, Zelt und Rucksack. Dafür sollten rund 1.000 Euro locker reichen. Zwingend benötigt man keine 5-Lagen-Itzi-Glitzi Edeljacke oder weiteres Hightech-Zeug – aber das ist auch eine Frage des Geschmacks (und des Geldbeutels).

      Ich hoffe, das hilft Dir ein wenig weiter?

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