Ich liebe sie nicht!

Tag 140
Meilen gewandert: 14
Meilen auf AT: 1864 von 2184

Unzählige Male habe ich gehört, wie toll die White Mountains sein sollen – „you will love the Whites“. In den letzten Tagen hatte ich dazu auch noch bestmöglichstes Wetter.

Die Nacht in der Lakes of the Clouds Hut war unruhig, da ab 4 Uhr in der früh ständig jemand gepackt oder sonstige rumgewurstelt hat. Auf das Frühstück wollten wir nicht warten und haben uns gleich an den Aufstieg zum Mount Washington gemacht. Der Weg führte im wesentlichen über Felsbrocken bis zum Gipfel, wo man dann denken könnte, man erreicht eine Mondstation.

Die Aussicht war dort wieder einmal phänomenal. Etwas frustrierend ist dort jedoch, dass auf der anderen Seite des Berges die Leute mit einer Eisenbahn oder gar mit dem Privatauto bis auf den Berggipfel fahren können.

Ich hatte ja gehofft, dass nach dem Gipfel des Mt. Washington der Abstieg etwas einfacher werden würde, da viele Leute mir sagten, der Abstieg ins 13 Meilen entfernte Pinkham Notch gut in einem Tag zu bewältigen sei. Dem war aber leider nicht so. Von den 13 Meilen führten 10 Meilen über grobe Felsbrocken, auf drei Berge hinauf und wieder hinunter. Und am Ende fast 1000 Meter in gerader Linie über eben diese Felsen ohne Serpentinen ins Tal. Auf halbem Weg brach einer meiner Trekking-Stöcke auch einfach in der Mitte durch. Unten angekommen, schmerzten meine Knie wie noch nie.
Ich liebe sie nicht, die Whites! Und ich bin froh, wenn ich sie endlich „hinter mir habe“. Es ist mir nicht verständlich, warum ein Fernwanderweg, wie der Appalachian Trail, den man mit schwerem Rucksack geht, nahezu immer über die schwersten, steilsten und gefärlichsten Wege geführt werden muss. Mich verwundert es daher gar nicht, dass hier nochmal viele kurz vor dem Ende aufgeben.

Unten im Tal erwartete mich Jim, ein Freund und früherer Kollege, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Er brachte mich in ein nettes Hotel in North Conway und wir hatten ein sehr leckeres Abendessen. Bei ein paar Gläsern Bier und Wein haben wir den Abend dann nett ausklingen lassen.

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6 Antworten zu Ich liebe sie nicht!

  1. enja schreibt:

    Hm. Christine ist da ja munter drübergefedert und jammert nun über die unglaublich schwierigen Pyrenäen. Wahrscheinlich spielt in solche subjektiven Empfindungen die Tagesform gewaltig rein. Oder was meinst du?

    • kazibo schreibt:

      Da spielen sicher auch ganz individuelle Faktoren eine Rolle. Christine ist den Trail von Nord nach Süd, also andersrum gegangen. Für sie lagen die „Whites“ am Anfang der Wanderung, wo noch viel Enthusiasmus vorhanden ist. Bei mir liegen sie ziemlich am Ende der Wanderung. Ich bin gerade auch so weit, dass ich genug vom AT habe. Ich habe mich heute auch gefragt, warum ich nicht begeistert von den Whites war, obwohl ich die ganzen Tage Traumwetter hatte. Eine Rolle hat dabei sicher gespielt, dass der AT hier an manchen Stellen nicht nur sehr anstrengend, sondern auch sehr gefährlich ist. Und darauf weist die Wanderer niemand hin, obwohl anscheinend jedes Jahr auch immer wieder Unfälle passieren. Und meine schmerzenden Knie haben sicher noch das Übrige dazu beigetragen…

      • enja schreibt:

        Vermutlich möchte man irgendwann nur noch „Ankommen“. Und hat schon soviel gesehen und erlebt, dass es doch irgendwie eintönig wird. Kombiniert mit zunehmenden Malaisen. Erschöpfung. Schmerzen hier und da. Dann sollte man irgendwann die Heimreise antreten. Und interessanterweise ist sowas anscheinend auch eher „kurz vor Ende“ als irgendwann sonst….

        Ich warte jetzt auf den Bericht vom „Finish“. Von dir genauso wie von Herma.

      • kazibo schreibt:

        Tatsächlich habe ich so langsam genug. Auch von den schönsten Aussichten und den schönsten Wegen kann man irgendwann genug bekommen. Das ist wie wenn man zuviel Schokolade isst oder zuviel Bier trinkt…
        Bei mir war es dann aber so, dass mir der Trail wieder gefallen hat, sobald er wieder mehr nach Appalachenwildnis aussah. Außerdem sind meine Knie nun so langsam wieder gut!

  2. Anna schreibt:

    Ich schätze mal, dir hätte zu diesem Zeitpunkt nicht mal der herrliche John Muir Trail etwas abgewinnen können 😉

    Aber ist diese Christine denn tatsächlich den AT und PCT entlanggewandert? Immerhin existiert kein einziges Bildchen davon 😉

    • kazibo schreibt:

      Schwer zu sagen, zur Westküste der USA verbindet mich eine besondere Liebe!

      Ich habe hier schon Leute getroffen, die Christine auf Ihrer Wanderung auf dem AT getroffen haben, und ich noch an sie erinnern. Ich glaube auch, dass es schwer ist, sich Hikergeschichten auszudenken, wenn man nicht gerade die Phantasie und das Talent von Karl May hat…

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