Work for Stay

Tag 139
Meilen gewandert: 11
Meilen auf AT: 1850 von 2184

Heute haben wir den Anstieg zum 1900 Meter hohen Mount Washington in Angriff genommen. Davor gab es jedoch im AMC Highland Center noch ein opulentes Frühstück. Um genügend Reserven für die erste Hälfte des Tages zu haben, habe ich am Buffett so viel gegessen, wie nur irgendwie in den Bauch gepasst hat.

Danach begann der Aufstieg auf die Webster Cliffs. Das war der bis jetzt kniffeligste Aufstieg. Über große Strecken ging es auf allen Vieren über Felsen steil nach oben. Heute habe ich auch deutlich meine Knie gespürt, denen das ständige auf und ab der letzten Tage nicht so sehr gefallen hat. Ich hoffe, dass die sich noch daran gewöhnen. Denn anscheinend bleibt der Trail für die nächsten 200 Kilometer so wie hier. In der Dokumentation „Durch die Wildnis Amerikas“ wird ein Wanderer gezeigt, der 300 Meilen vordem Ende aufgibt. Dafür hatte ich lange kein Verständnis. Seit einigen Tagen kann ich das jedoch sehr gut nachvollziehen. Es sind jetzt zwar „nur“ noch 334 Meilen zu wandern, aber in Anbetracht der schwierigen Wege in den Bergen hier erscheint das gerade noch fast endlos. Ein Gefühl von Endspurt mag bei mir gerade noch nicht aufkommen.

Nach 4 Stunden Plackerei waren wir dann endlich oben auf dem Grat und haben uns dort in der Mizpah Hut einen teuren Teller Suppe gegönnt und dürften noch gratis die kalten Hafergrützenreste des Frühstücks vertilgen. Von da ging es dann weiter über die Baumgrenze auf den Mt. Franklin und von dort zur auf 1600 m gelegenen Lake of the Clouds Hut. Sie liegt mit einer grandiosen Aussicht direkt unterhalb des Gipfels des Mt. Washington. Dieser Berg gilt als einer der Plätze der Erde mit dem widrigsten Klima, obwohl der Berg nicht wirklich sehr hoch ist. Jedes Jahr erfrieren hier Menschen.

In den White Mountains werden die Wanderwege und die Unterkünfte vom Appalachian Mountain Club bewirtschaftet. Es gibt nur sehr wenige Unterkünfte, Shelter und Campingplätze, die in der Regel schon über Monate im voraus ausgebucht sind und auch entsprechend teuer sind. Für einen Thru-Hiker, mit einem schwer vorhersehbaren Zeitplan ist es dann natürlich schwierig, eine Unterkunft zu finden. Daher bieten nahezu alle Huts für die ersten zwei (manchmal auch für mehr) Wanderer „Work for Stay“ an. Als Gegenleistung für einen kleinen oder größeren Arbeitseinsatz dürfen die Wanderer die Reste des Abendessens vertilgen und auf dem Fußboden des Gemeinschaftsraums schlafen. Badger und ich konnten heute mit 6 Anderen Wanderern einen der begehrten Plätze in der Lake of the Clouds Hut ergattern. Wir müssten nicht einmal etwas arbeiten und haben dann, nachdem die zählenden Gäste fertig waren, kalte Lasagnereste, grüne Bohnen und frisches Brot bekommen. Und nachdem die letzten Gäste zu Bett gegangen sind, durften wir unsere Matten und Schlafsäcke unter den Esstischen ausbreiten.
Draußen hat es nur noch 5 Grad und es bläst ein scheußlicher Wind. Gut, dass wir drinnen unter den Tischen schlafen!

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2 Antworten zu Work for Stay

  1. Kasiwi schreibt:

    Dann Pass mal bitte gut auf, dass du mit deinem dünnen Sommerschlafsack immer ein warmes Plätzchen hast. Oder muß ich mir zum Ende hin noch Sorgen machen?

  2. enja schreibt:

    Bitte Vorsicht mit einem Endspurt……mach lieber langsam.

    Das ist doch eine großartige Gegend dort. An das scheußliche Wetter auf dem MW erinnere ich mich auch intensiv. Unten eine Affenhitze. Oben war es sehr, sehr kalt. Und vor allem so windig, dass man schier von den Füßen geblasen wurde. Für uns war das damals ein Mordsspaß. Wir hatten aber auch nicht so viel hinter uns wie du. Wir sectionhikten ein wenig.

    Also vergiss nicht zu genießen.

    Grüße Enja

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