Bennington, VT

Tag 124
Meilen gewandert: 11
Meilen auf AT: 1606

Jetzt habe ich aus Versehen den gerade geschriebenen Blogeintrag gelöscht, ohne ihn zwischenzuspeichern und muss noch einmal ganz von vorne anfangen… 😦

Heute früh hatte es zum Glück aufgehört zu regnen. Allerdings sind die Sachen über Nacht auch nicht getrocknet. Insbesondere die Schuhe sind noch triefend nass. Da hinein sollte ich also meine Füße stecken und auch noch einige Meilen wandern?

Wir NOBOs (Appalachian Trail Wanderer, die in nördlicher Richtung „northbound“ wandern) gerade immer wieder auf SOBOs. SOBOs wandern den Trail in umgekehrter Richtung von Norden nach Süden. Zahlenmäßig machen die SOBOs nur rund ein Fünftel der Durchwanderer aus, da das Wandern in südlicher Richtung nicht ganz so schön ist (aber das ist ja wie so Vieles Geschmacksache). Jetzt hat es natürlich den Vorteil, dass die Wanderer sich über die Strecke, die vor ihnen liegt, austauschen können. Das haben wir dann beim Frühstück auch ausgiebig gemacht, bevor wir uns in nassen Schuhen wieder auf den Weg gemacht.
Bei einer Wanderpause an einer Wasserstelle (Bach mit gelbem Wasser, aus dem zu Hause niemand trinken würde), setzte sich ein hübscher Schmetterling auf meinen Oberarm und leckte geduldig und ohne Scheu den Schweiss von meiner Haut – das hat ganz schön gekitzelt!

Gewandert sind wir heute nur bis Bennington, VT. Da wir in den nächsten Tagen wieder in der Wildnis wandern werden, ist hier die letzte Möglichkeit, sich dafür zu versorgen. Abgestiegen sind wir im Autumn Inn, einem der schäbigsten und teuersten Motels seit langem. Für 70 Dollar gibt es kein Frühstück, dafür auch kein frisch geputztes Zimmer. Ich hatte lange, lockige Haare in meiner Dusche kleben. Aber davon lassen wir uns die Laune auch nicht verderben!

Beim (späten) Mittagessen habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich wegen meiner Achillessehne morgen ins lokale Krankenhaus gehe oder in die Hausarztpraxis schräg gegenüber vom Motel. Auf dem Rückweg wollte ich dort eigentlich nur nach den Öffnungszeiten schauen und habe erstaunt festgestellt, dass die Praxis am Sonntagnachmittag geöffnet war! Noch erstaunter war ich, dass Dr. Dranginis gleich Zeit für mich hatte. Etwas unangenehm war mir die Tatsache, dass ich noch ungewaschen war und mein Fuß noch in den nassen Schuhen vom Vormittag steckte. Die Ärztin war selbst Sportlerin und hat meine Achillessehne gründlich untersucht. Sie meinte, dass die Sehne in Ordnung sei, sie jedoch aufgrund einer (vergangenen) Überlastung schmerzt, und das wohl auch noch eine Weile tun wird. Das sei aber kein Grund, meine Wanderung zu unterbrechen. Sie hat mir geraten, die Sehne mehrmals täglich zu dehnen und für zwei Wochen Ibuprofen zu nehmen. Über diese Nachricht habe ich mich natürlich riesig gefreut! Hoffen wir mal, dass die Ärztin recht behält.
Nebenbei war mein Blutdruck bei traumhaften 120/80, das liegt wohl an der vielen Bewegung an der frischen Luft… 😉
Und mein Gewicht war mit nassen Schuhen bei 83 Kilogramm, da ist noch reichlich Platz für Fette Pizza und süße Brause.

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6 Antworten zu Bennington, VT

  1. Heike schreibt:

    Hallo!!
    Es hat eine Weile gedauert, bis ich alle Blogeinträge nachgelesen hatte, aber jetzt bin ich auf dem Laufenden. Ich verfolge insbesondere Deinen und Hermas Weg auf dem AT und finde es absolut spannend – besser als ein Hitchcock! Mich hält es kaum noch auf dem Sofa. Ich drücke dir die Daumen, dass die Sehne hält und wünsche noch viele freudige Meilen auf dem Trail!
    Liebe Grüße, Heike

  2. Janinchen schreibt:

    Ein Problem beim vielen Wandern ist, dass sich sämtliche Sehnen und auch die Muskulatur an den Beinen verkürzen, eine Entzündung beschleunigt noch diesen Prozess.
    Klar, dass die Sehne überlastet ist, das kommt aber oft auch durch falsches Schuhwerk.
    Aber das allergrößte Problem: meiden sollte man bei Überlastung eigentlich genau die Wege, auf die man beim Wandern normalerweise unterwegs ist, also unebener Grund, Waldboden etc., auch große Steigungen sollte man meiden und besser mit gut gedämpften Schuhen auf Asphalt unterwegs sein.
    Hilfe bringen oft festere Schuhe, die dem Sprunggelenk besseren Halt bieten, also bis knapp über die Knöchel gehende festere Leichtwanderschuhe die den Fuß gut fixieren.
    Bei den Schuhen, die du anhast, müssen die Sehnen und die Muskulatur zuviel (Stütz)Arbeit leisten.
    Zudem abends immer schön kühlen, Beine hochlegen, eventuell bringt auch ein leichter Absatz etwas bzw. entsprechende Einlagen (Keil) in den Schuhen etwas Linderung.
    Beim Bergauflaufen besser viele kleine Schritte als weniger und größere usw.

    Und lass dir zeigen, wie man ein Tape anlegt und evtl. eine Bandage.

    Du musst halt aufpassen, denn so etwas kann sehr leicht chronisch werden.

  3. German Tourist schreibt:

    Tröste Dich! Nach 4 Jahren zu Fuß unterwegs ohne Probleme habe ich zur Zeit ähnliche Probleme mit der Achillessehne. Daher fand ich Deinen Eintrag sehr tröstlich. Die Pyrenäen sind so gruselig steil und geroellig, dass ich mich ernsthaft auf deinen Teil des AT zurück sehne… Hätte ich sich nie gedacht. Als Gute für den Rest des AT.

    • kazibo schreibt:

      Hallo Christine,

      Ich hätte es auch nie gedacht, dass diese ganzen „overuse“ und „abuse“ Verletzungen mein größtes Problem werden würden. Ich nehme gerade jeden Tag Ibuprofen und mache mehrmals am Tag Dehnübungen für die Achillessehne. Ich wäre ja schon damit zufrieden, wenn sich die Sache in den nächsten 6 Wochen nicht verschlimmert. Ich geniesse sonst gerade noch den Trail in Vermont, der gerade wirklich angenehm zu gehen ist.

      Ich drücke Dir auch die Daumen, dass Deine Füße Dich weiter tragen!

  4. OliH schreibt:

    Bin (leider) erst gestern auf Deinen Blog gestoßen – nun aber die komplette Strecke hinterhergereist. Ich muss sagen, ich bin völlig geflasht von diesem Bericht! Der AT spukt schon eine Weile in meinem Hinterkopf, um so interessanter mal von den ganzen „Kleinigkeiten“ zu lesen, die unterwegs passieren können – wie entzündete Sehnen, Gewitter, Zecken, Mücken… Ich kann mir fast vorstellen, wie angenehm so ein Motelbett und eine Dusche dann kommen müssen!
    Wünsche Dir jedenfalls weiter Durchhaltevermögen und ganz viel Trail Magic!

    • kazibo schreibt:

      Hallo,

      Mein Blog war ursprünglich dafür gedacht, Freunde und Familie auf dem Laufenden zu halten. Es freut mich natürlich, wenn es Noch weitere Leute gibt, die Interesse an meinem Geschreibsel haben, das ich oftmals abends müde kurz vor dem Einschlafen im Zelt verfasse…

      Eine Wanderung auf dem Appalachian Trail ist ein großes Abenteuer – viel größer als ich erwartet habe. Und es ist in Wirklichkeit noch abenteuerlicher – da ja gar nicht alles Eingang in den Blog findet.

      Empfehlen kann ich das jedem, der gerne Wandert und den große Herausforderungen nicht schrecken. Im wesentlichen benötigt man mentale Stärke, alles andere ist nicht so wichtig. Das haben mir alle Thru-Hiker, mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, so bestätigt.

      Ich bin sehr gespannt, ob ich es von hier noch bis zum Ende schaffe!

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