Halbzeit!

Heute früh um 9 Uhr habe ich den Mittelpunkt des Appalachian Trails erreicht – 1090,5 Meilen hinter mir und noch 1090,5 Meilen vor mir.

Bis ich wieder WiFi haben werde um meine Artikel hochzuladen, wird es wohl noch zwei bis drei Tage dauern.

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8 Antworten zu Halbzeit!

  1. enja schreibt:

    Hallo,

    dachte schon, es gäbe wieder Probleme. Du machst es ganz schön spannend. Wie stehst du übrigens zu „once in a lifetime“? Hinterher „nie wieder“?

    Grüße Enja

    • kazibo schreibt:

      Hallo Enja,

      Schön, von Dir zu hören! Seid Ihr wieder zurück von Eurer Tour?

      Probleme machen meine Beine gerade nicht. Allerdings wandere ich auch nicht mehr mit der Unbekümmertheit, die ich am Anfang hatte. Jedes Ziepen im Fuß, jeder längere Wandertag löst unweigerlich Gedanken an eine weitere Verletzungspause aus (die ich nach Möglichkeit nicht mehr haben muss). So langsam lerne ich, dass meine Wanderung weder ein Wettbewerb „ich gegen den Trail“ oder „ich gegen meine Mitwanderer“, sondern vielmehr ein Wettbewerb „ich gegen mich selbst“ ist.

      Deine Frage nach „One in a lifetime“ und „nie wieder“ ist ja eine ziemlich philosophische, die ich hier in ein paar Zeilen gar nicht beantworten kann. Der Appalachian Trail wird für mich wahrscheinlich beides sein: Eine unglaubliche Erfahrung, die ich nicht missen möchte und wahrscheinlich danach „nie wieder“. Das Abenteuer „Appalachian Trail“ mit 3500 Kilometern Wanderung über unwegsame Pfade ist ein so großes, dass es in die meisten Leben einfach nur ein Mal hineinpasst. Mein Wanderleben wird nach dem AT sicherlich nicht zu Ende sein. Ob ich noch einmal die Möglichkeit einer weiteren so großen Wanderung haben werde, das ist momentan nicht absehbar. Und wenn, dann wird es wahrscheinlich eine andere Wanderung sein.

      Beantwortet das Deine Frage?

      Steph

  2. enja schreibt:

    Wenn du dich noch erinnerst…..wir waren auf dem Jakobsweg. Da wird es beinahe zwingend philosophisch. Und man stellt sich genau solche Fragen. Die Antworten können ziemlich verblüffend sein. Aber darüber können wir uns austauschen, wenn du zurück bist.

    Und ja, ich habe dort viele Leute aufgeben sehen. Meistens die mit dem Wettbewerbsgedanken, dem „once in a lifetime“, die Super-Sportler. Und andere setzen unauffällig einen Fuß vor den anderen. Das ist das, was ich dort gelernt habe. Weit entfernte Ziele sind unrealistisch. Und manchmal sogar Zwischen-Nahziele. Man macht einfach immer weiter. Einen Fuß vor den anderen. Einen Atemzug nach dem anderen. Einen Kilometer nach dem anderen. Und natürlich achtet man auch auf die Bedürfnisse, die Leib und Seele haben. Ich denke, die Langstreckentauglichkeit besteht einfach darin, dass man sich nicht verheizt.

    Grüße Enja

    • kazibo schreibt:

      Dem kann ich nur zustimmen! Ich habe gerade heute auch mit dem für den Trailabschnitt zuständigen „Ridgerunner“ darüber gesprochen. Er meinte auch, dass „to fast, to far, to soon“ der Hauptgrund für ein Scheitern einer AT Durchwanderung ist. Er sagte, dass man einfach auf seinen Körper und das Wetter hören sollte, und danach die Tagesetappen bestimmen sollte. (Ein Ridgerunner ist jemand, der auf einem zugewiesenen Trailabschnitt Die Saison über nach dem Rechten schaut.

      Ich muss diese Lektion auch noch verinnerlichen. Mir macht es einfach auch manchmal Spass, mich an manchen Tagen zu „verheizen“…

      (

  3. enja schreibt:

    Kommt halt drauf an, was du darunter verstehst. „Verheizen“ in dem Sinn, dass man sich bis zum Umfallen verausgabt – bitteschön. Aber besser nicht so, dass man hinterher zwei Jahre humpelt.

    Auf dem Jakobsweg macht man sich auch ständig Gedanken drüber, wer wohl „ankommt“ und wer nicht. Ein Diskussionsthema für lange Abende. Das ist gar nicht so einfach einzuschätzen. Es hat aber wohl mehr mit Durchhaltevermögen, einem Einteilen der Kräfte zu tun, als mit Kraft, Ausdauer und Sportlichkeit. Insofern vertut man sich da schnell. Und gar nichts hat es anscheinend mit dem „Material“ zu tun.

    • Janinchen schreibt:

      Den AT kann man doch nicht mit dem Jakobsweg vergleichen. Hat man lange genug Urlaub, ist es nun wirklich egal, ob man den Weg in 25 Tagen oder 40 schafft, den Jakobsweg kann man das ganze Jahr über angehen. Man hat hier einen deutlich größeren Spielraum, was die täglich zurückgelegten Kilometer betrifft. Und die Wege sind doch auch sehr einfach und „familienfreundlich“ gehalten.

      Anders beim AT: auf Grund der Wetterverhältnisse im Herbst sollte man die Wanderung möglichst im September beenden, und da besser in der Mitte und nicht erst Ende September.
      Sofern man nicht gerade ein Aussteiger ist und unendlich lange Zeit hat, ist nun mal sowohl der Beginn der Wanderung als auch der letztmögliche Tag des Rückflugs festgelegt.
      Ein „Thruhiker“ MUSS also pro Tag ein bestimmtes Pensum absolvieren, um den Weg überhaupt zu schaffen. Da man ja nicht weiß wieviele Ruhetage man tatsächlich einlegt, ist man anfangs auch eher gezwungen, täglich ein wenig auf „Vorrat“ zu wandern, um die Ruhetage eben auszugleichen.

      Und natürlich hat ein möglicher Erfolg extrem viel mit dem „Material“ zu tun!
      Wer viel schleppt, benötigt entweder eine mordmäßige Konstitution-oder ein frühzeitiger Abbruch ist fast schon vorprogrammiert. Ist schon ein Unterschied, ob man mit 8-10 Kilo unterwegs ist oder mit 14-16kg …
      Das richtige Schuhwerk trägt ebenfalls viel zum Erfolg bei. Gerade wer viel Probleme mit Sehnenentzündungen etc. hat, sollte evtl nicht unbedingt mit den üblichen „Trailrunnern“ unterwegs sein, sondern mit Schuhen, die dem Fuß einen besseren Halt geben damit die Sehnen und Muskeln weniger Arbeit verrichten müssen.

      • kazibo schreibt:

        Hallo Enja & Janinchen,

        Ich finde, dass Ihr beide irgendwie recht habt. Obwohl man den Jakobsweg nicht direkt mit dem Appalachian Trail vergleichen kann, sind die „Erfolgsstrategien“ bzw. die Gründe, die zum Abbruch führen, die ähnlichen. In den letzten Wochen und Monaten hatte ich viele Gelegenheit, mit Wanderern zu sprechen, die auf einem oder gar beiden Wegen unterwegs waren. Der häufigste Grund, warum Wanderer einen „Thru-Hike“ abbrechen, ist eine falsche Einschätzung und ein falsches Einsetzen der eigenen körperlichen Ressourcen. Vor ein paar Tagen habe ich mit einem erfahrenen „Ridgerunner“ darüber gesprochen und er hat das prägnant mit den Worten „to fast, to far, to soon“ (zu schnell, zu weit, zu bald) zusammengefasst. Der Appalachian Trail und auch der Jakobsweg sind eher mit Marathonstrecken zu vergleichen. Es nützt einem oftmals nichts, wenn man zwischendurch oder am Anfang schnell ist. Vielmehr muss man einen langen Atem bewahren, um anzukommen. Diese Lektion zu lernen, ist mir auch schwer gefallen. In zwei Monaten bin ich über 1600 Kilometer gewandert. Insgesamt fast einen Monat verletzungsbedingte Pausen hat dies nach sich gezogen. Die meisten Meiner Mitwanderer, die kürzere Tagesdistanzen gewandert sind, sind in den drei Monaten weiter gekommen als ich.

        Das Zeitfenster, welches man für eine Durchwanderung des Appalachian Trails zur Verfügung hat, ist eigentlich nicht so klein, wie man auf den ersten Blick denkt. Man hat mindestens die 6 Monate von März bis September zur Verfügung. Berücksichtigt man noch alternative Wandermöglichkeiten (z.B. Flip-Flop), so kann man sich sogar bis zu 9 Monate Zeit nehmen. Selbst die 6 Monate, die einem als Europäer visumsbedingt zur Verfügung stehen, reichen für die meisten Wanderer aus. Mit 10 bis 12 Meilen am Tag sollte man immer noch innerhalb des Zeitfensters von 6 Monaten ans Ziel kommen. Das Zeitfenster sollte also kein Grund zur Hetze sein. Ich würde auch empfehlen, sich die vollen 6 Monate einzuplanen – wenn man früher am Ziel sein sollte, hat man halt einen Monat übrig. Das ist besser, als einen Monat zu wenig zu haben.

        Zum Thema Material (dazu wollte ich auch meine Erfahrungen bei Gelegenheit mal separat zusammenfassen). Eine gute Ausrüstung ist wichtig. Als Erfolgsfaktor sehe ich sie jedoch deutlich hinter dem wichtigsten Erfolgsfaktor. Das ist der, der sich im Kopf „zwischen den Ohren“ befindet. Die richtige Erwartungshaltung, Durchhaltevermögen, Planung und der Umgang mit widrigen Umständen und persönlichen Tiefpunkten und Krisen ist sehr viel wichtiger für einen erfolgreichen Thru-Hike. Die Ausrüstung sollte gut und zweckmäßig sein. Das kann jedoch für unterschiedliche Personen unterschiedliche Dinge bedeuten. Alleine die Frage, ob man lieber in Sheltern oder im Zelt (oder in einer gerade sehr modern gewordenen Hängematte) schläft, hat Konsequenzen für die entsprechend zweckmäßige Ausrüstung.
        Was man auch berücksichtigen solllte, ist die Tatsache, dass man in Sachen Trekking auf dem Appalachian Trail eine sehr steile Lernkurve durchläuft. Alleine im ersten Monat sammelt man soviel Erfahrung, dass man nicht hinter den meisten „Experten“ zurückstehen muss. Ebenso ist für die meisten Wanderer der Trail ganz anders, als sie gedacht hatten. Die meisten Wanderer tauschen insbesondere am Anfang einige Ausrüstungsgegenstände aus – was auch problemlos möglich ist. Bei den meisten Wanderern pendelt sich das Rucksackgewicht nach den ersten 1000 Meilen bei 10 bis 14 Kilogramm (ohne Lebensmittel und Wasser) ein. Es gibt nur sehr wenige, die leichter oder sehr viel schwerer unterwegs sind. Man darf nicht vergessen, dass man auf einer so langen Wanderung auch ein paar wenige Luxusgegenstände schätzt und sie gerne als Zusatzgewicht auf dem Rücken trägt. Das kann für den einen ein iPad sein, für den anderen ein Kissen, ein Buch, ein Instrument oder eine Spiegelreflexkamera sein.
        Bei nichts scheiden sich die Geister so sehr wie bei den Schuhen. In den einschlägigen Internetforen toben dazu richtige „Glaubenskriege“. Auf dem Appalachian Trail habe ich zu Beginn eine große Schuhvielfalt beobachtet: Vom schweren Bergstiefel über Leichtwanderschuhe bis hin zu Barfußschuhen und Sandalen war alles vertreten. Wenn ich mir jetzt die Leute ansehe, die es über 1000 Meilen geschafft haben, sind über 80% in Leichtwanderschuhen in der Art von Merrell oder Keen unterwegs. Die puren „Trailrunner“ (zu weich, zu wenig haltbar) sieht man genau so wenig, wie die schweren Wanderstiefel, die bis über die Knöchel geschnürt sind. Sonic, ein Deutscher Mitwanderer der auch regelmäßig vom Trail bloggt, ist da eine Ausnahme.
        Ob das eine Aussagekraft bezüglich des „besten“ Schuhwerks hat, darüber mag sich jede(r) selbst eine Meinung bilden.

  4. Therese Czechowski schreibt:

    Hallo Stephan,
    herzlichen Glückwunsch zur HALBZEIT!!!
    Du bist wirklich ein Held. Du kämpfst dich tapfer durch. Pass auf die Sprache deines Körpers auf. Du hast sehr abgenommen und wenn Du noch so lang zu laufen hast brauchst Du noch sehr viel Kraft.
    Ich bin jetzt aus der Schweiz gekommen. Wir sind am Eiger gewandert. Leider passieren letzte Zeit sehr viele tragische Unfälle in den Alpen. Sogar am Eiger sind vor paar Tagen 2 Bergsteiger tödlich abgestürzt
    Kirsten hat eine Grillparty für DW organisiert. Ich war aber nicht dabei.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel, viel Glück bei der Wanderung

    Teresa

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