Hiker-Stink (Wanderer-Mief)

In der „zivilisierten“ Welt, aus der ich komme, gehört es dazu jeden Tag oder jeden zweiten Tag (zumindest aber nach dem Sport) zu duschen. Auf dem Appalachian Trail geht das aber nicht so regelmäßig, da man unter Umständen nur einmal in der Woche in eine Stadt kommt.
Beim Wandern schwitzt man jedoch jeden Tag und kann sich bestenfalls abends ein wenig in einem Bach waschen.
Man hat auch leider nicht für jeden Tag ein frisches Hemd und frische Socken, so dass auch da oft am nächsten Tag nochmal die gleichen schon verschwitzten Teile zum Einsatz kommen.
Dies gibt einem intensiv Gelegenheit, sich mit dem eigenen Körpergeruch und dem Körpergeruch anderer auseinanderzusetzen. (Man schläft im Shelter ja oft recht eng nebeneinander.)
Was mir nach sechs Wochen auffällt, ist Folgendes: Man gewöhnt sich relativ schnell daran, „dreckig“ oder zumindest nicht sauber zu sein. Und man gewöhnt sich daran, dass andere es auch nicht sind. Den Mief nimmt man entweder nicht so wahr, weil er draußen in der Natur nicht so intensiv ist, oder weil man irgendwie abstumpft (oder beides). Irgendwie kommt mir eine mittelalterliche Gesellschaft inzwischen gar nicht mehr so unangenehm vor…
Wenn ich nach Tagen dann in eine Stadt komme, freue ich mich mit am meisten aufs Duschen und Wäschewaschen. Da dann oft wirklich alles dreckig ist, erkennt man den Wanderer daran, dass er im Waschsalon in seiner Regenhose und -Jacke herumsteht, bis die anderen Sachen sauber und trocken sind.

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2 Antworten zu Hiker-Stink (Wanderer-Mief)

  1. kasiwi schreibt:

    Hallo Fastfoot,
    dieser Beitrag hat mir besonders gut gefallen. Da freut sich frau mit zivilisierten Problemen zu kämpfen wie z.B. „Wie mache ich meinen Chef mit einem tollen Konzept glücklich?“ oder Ähnliches 🙂 In Deutschland ist heute übrigens Vatertag, von daher noch herzlichen Glückwunsch dazu. Da du die letzen Jahre ja nicht mit einem Bollerwagen mit Bier und deinen Kumpels durch die Gegend gezogen bist, nehme ich fast an, dass du das heute auch nicht vermissen wirst 🙂
    Dein Blog erfreut sich übrigens zunehmender Beliebtheit. Einige Tage habe ich darauf gewartet, dass die Klick-Anzahl pro Tag die 500 Klicks-Marke übersteigt, und dann ist es am 14. Mai passiert (über 580 Klicks) und ich habe es erst heute mitbekommen. Ich freu mich für dich!
    Ganz herzliche Grüße in die Appalachen von
    Kasiwi … und Tess!

  2. Daniela schreibt:

    Hi, da ich dich jetzt schon länger – unbekannterweise – auf deinem Weg erfolge, denke ich, es wird Zeit, auch mal ein Kommentar zu verfassen. Ich finde den Appalachian Trail total interessant und kann es kaum erwarten, bis unsere Kinder volljährig sind und auf sich selbst schauen können, damit mein Mann und ich losstarten können. Dauert zwar noch ein paar Jahre, aber jetzt schon mit dir mitzuwandern, das ist einfach klasse! Weiterhin einen tollen – unfallfreien – Trip, Daniela aus Österreich

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