Zwischenbilanz

Tag 30
Meilen gewandert: 24
Meilen auf AT: 416

Mein Tag begann mit einem wirklich spektakulären Frühstück im Mountain Harbour Hostel in Roan Mountain (Das Hostel ist dafür bekannt). In der sehr schönen offenen Küche gab es Bratkartoffeln, einen ganzen frischen Schinken, mehrere Sorten Rührei, Buiscuits and Gravy, süße Hefeschnecken, Obst, und ….

Danach habe ich mich wieder auf den Weg gemacht. Ein paar Wanderer, die ich beim Frühstück getroffen hatte, sprachen davon, dass sie gestern die ganzen 24 Meilen bis nach Hampton, TN gegangen sind. Ich dachte, das kann in auch! Es handelt sich nämlich um die allererste relativ flache (nur 700 Höhenmeter auf 24 Meilen) Etappe. Zuerst sah es ziemlich nach Regen aus.

Den ganzen Tag über war ich dann jedoch sozusagen im Bauch des Waldes verschwunden. Es ging fast ausschliesslich durch dicht mit Rhododendren bewachsene Täler.

Es schien heute auch nahezu niemand unterwegs zu sein. Die ersten 22 Meilen bin ich gar niemandem begegnet, erst dann habe ich zwei andere Wanderer getroffen.

Überraschend war eine Bank mitten in der Wildnis

Von der man diese Traumaussicht hatte (fast besser als Fernsehen?):

Für die Nacht habe ich mir dann das Black Bear Resort (ein ganz neues Hostel) ausgesucht.

Dort habe ich heute das ganze Matratzenlager für 10 Dollar für mich alleine. Außerdem konnte ich warm duschen und Wäsche waschen. Zu Abend gab es zwei Mikrowellenhamburger, einen Mikrowellencheeseburger und eine kleine Mikrowellenpizza, dazu drei Dosen Corona (an den zwei letzten arbeite ich gerade). Man glaubt gar nicht, wie das nach einem langen Wandertag schmeckt! Außerdem habe ich mich ganz nett mit einem Pärchen aus Maine unterhalten (er war fast dreimal so alt wie sie) und einer Frau mit zwei netten Hunden.

Heute bin ich genau einen Monat auf dem Appalachian Trail unterwegs. Und es ist mein 43. Geburtstag und ich sitze mit einer Dose Corona auf einer Veranda am Fluß. Das scheint eine gute Gelegebheit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Im ersten Monat bin ich über 416 Meilen (670 km) mit all meiner Habe im Rucksack gewandert. Das ist die längste Strecke, die ich jemals gewandert bin. Dabei bleiben noch 1800 Meilen zu wandern!

Wie war er nun, der erste Monat?
Gerade am Anfang war der Appalachian Trail sehr viel anstrengender, als ich gedacht habe. Die unendlich vielen Anstiege, die oft sehr steil und sehr felsig sind, nagen schon an den Kräften. Trotzdem waren die ersten beiden Wochen sehr schön, vor allem wegen des traumhaften Wetters. In der dritten Woche wurde das Wetter dann schlecht, es gab Regen, Schnee und Frost. Dazu dann noch eine Zwangspause wegen eines schmerzhaft gestauchten Knöchels. Das hat dann etwas arg an meiner mentalen Kondition gezehrt. Dafür war die Landschaft bis jetzt sehr viel schöner, als ich erwartet habe.
Sehr positiv ist hier auch die Kultur unter den Wanderern und die Unterstützung und der Rückhalt bei den lokalen Leuten. Man trifft Leute aus unterschiedlichen Altersgruppen, Bevölkerungsschichten und mit unterschiedlicher Motivation. Sehr schnell schließt man auch so etwas wie Freundschaften, und sei es nur für einen Abend oder einen halben Tag. Und es gibt sehr viele Anwohner, die einen mal eben mi zum Supermarkt oder in die Stadt mitnehmen oder einem einfach so mal einen Softdrink in die Hand drücken. Obwohl meine Wanderung nicht religiös motiviert ist, habe ich inzwischen ein Verständnis dafür bekommen, was Pilgerschaft bedeutet. Erstaunlich ist auch, mit wie wenig man auf Wanderschaft auskommen kann: Bei mir passt gerade alles in einen 45 Liter Rucksack (einschließlich Zelt und Rucksack). Bei Gelegenheit mache ich nochmal eine Aufstellung, was sich jetzt darin befindet. Schwierig finde ich hingegen die Plötzliche Umstellung auf eine Fernbeziehung, die wirklich „fern“ ist.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Zwischenbilanz

  1. Therese Czechowski schreibt:

    Hallo Stephan,

    herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Das schönste Geschenk macht’s Du dir gerade selber. Du verwirklichst Dein Traum. Zwei wichtige Sachen hast Du schon erkannt. Du bist als Tourist losgelaufen und kommst als Pilger nach Hause zurück. Und Du hast gelernt mit sehr wenig Gut auszukommen. Außerdem hast Du schon einen Kampf mit sich selbst gewonnen. Ich habe mir Gedanken gemacht, was wird jetzt passieren… Aber Du bist wieder fit und läufst weiter.
    Danke für die tollen Berichte und schreibe bald was Du so alles in dem Rucksack schleppst.
    Am 20. Mai gehe ich nämlich auf den Jakobsweg in Polen und muss auch packen.

    Viele Grüße Teresa

  2. Nane schreibt:

    Hallo Stephan,
    Auch herzliche Glückwünsche zum Geburtstag von deiner Mum! Sie hat gestern versucht, dich telefonisch zu erreichen, hatte aber immer nur eine nette Computerstimme dran….
    Frohes Weiterwandern!
    Ingrid

    • kazibo schreibt:

      Vielen Dank, das freut mich sehr! Seit gestern befinde ich mich offenbar in einem riesigen AT&T Funkloch. Und die Mailbox habe ich auch noch nicht besprochen. immerhin gibt es hier langsames Internet über Satellit.
      Wenn alles gut läuft, bin ich am Montagabend in Damascus, VA.

  3. Michael L. schreibt:

    Hi Stephan,

    supercool Dein Trip! Wünsche Dir alles Gute für die weitere Reise! In der Pharmawelt nichts Neues.

    Viele Grüße

    Michael L.

  4. Jim schreibt:

    Happy Birthday Stephan – I am enjoying your blog very much – especially the pictures. The hike seems to be quite profound and glad to hear the ankle is much better. I am looking forward to seing you when you get further north, Jim

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s